Gemüsebau im Burgenland

Das zentrale burgenländische Gemüsehauptanbaugebiet befindet sich im Bezirk Neusiedl am See – genauer gesagt im Seewinkel. Der Gemüsebau konnte sich dort auf Grund mehrerer ausschlaggebender Faktoren etablieren. Die klimatischen Vorzüge des „Pannonischen Klimaraums“, die für den Gemüsebau optimalen Bodenbeschaffenheiten und die Möglichkeit der Bewässerung der Gemüsekulturen, sind die optimalen natürlichen Voraussetzungen für die hochwertige Qualitätsproduktion von frischem und gesundem Gemüse.


Im Gegensatz zu früher umfasst das Anbauspektrum heute beinahe die gesamte Gemüsepalette. So begann der Gemüsebau zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Majoran, Salaten und Kohlgemüse. Über die Jahre wurde die Vermarktung des Gemüses verbessert und die Nachfrage nach anderen Gemüsearten stieg. In den 60er-Jahren wurden schwerpunktmäßig Salatgurken, Industriegemüse für die Verarbeitung und die Konservenindustrie sowie Wurzel- und Knollengemüse produziert. Eine Trendwende erfolgte in den 70er-Jahren. Mit der schlechten Preissituation für das Industriegemüse und der Einführung des geschützten Anbaus in Folientunneln begann verstärkt die Produktion für den Frischmarkt. Dies brachte auch eine Spezialisierung der Gemüsebaubetriebe mit sich.

Durch die gut funktionierende Vermarktung des Frischgemüses mit Focus auf die Ballungsräume und die laufende Weiterspezialisierung der Gemüsebaubetriebe wird heute auf ca. 1450 ha (im Freiland und im geschützten Anbau) hochwertiges Gemüse mit kurzen Transportwegen produziert. Der Anteil der Fruchtgemüseproduktion in Großraumgewächshäusern ist auch heute noch im Steigen begriffen. Durch die optimal gesteuerte Gewächshauskultur ergeben sich bestmögliche Ernteresultate und auch eine kontinuierliche Versorgung des Marktes.

Im Burgenland gibt es ein gutes Zusammenspiel zwischen Produzenten und Vermarkter. In den meisten Fällen liefert der Gemüsebaubetrieb das Erntegut an die Übernehmer ab. Diese sind verantwortlich für die Sortierung, Verpackung, Lagerung und den Transport der Ware bis zum Supermarkt. Durch laufende Kontrollen und Qualitätsmanagementsysteme wird sichergestellt, dass nur einwandfreie Ware den Weg ins Regal findet. 

Die heimische Gemüseproduktion erfolgt beinahe ausschließlich nach den strengen Richtlinien des AMA-Gütesiegels und nach zusätzlichen Auflagen von Handelsketten. Das AMA-Gütesiegel hat unter allen Qualitätslabels den größten Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung und steht für geprüfte und heimische Qualität. Die Differenzierung der Handelsketten untereinander bringt neben dem AMA-Gütesiegel weitere Produktionsvorschriften (z.B.: Pro Planet, etc…). Der Handel versucht damit, sich gegenüber der Konkurrenz Vermarktungsvorteile zu verschaffen. Die Vermarktung des Gemüses erfolgt fast ausschließlich mit solch einem Qualitätslabel.

Das Gemüsesortiment wird auch heutzutage noch laufend erweitert. Durch Anbauversuche neuer Gemüsearten und –sorten werden Produktionsmöglichkeiten ausgetestet und Vermarktungsmöglichkeiten erprobt. Auch die Verarbeitung und die Erzeugung von Gemüsespezialitäten werden in Form von Produktionsnischen aufgegriffen.

Durch das breit gefächerte Angebot und der Sortenvielfalt trägt das burgenländische Gemüse wesentlich zur gesundheitsbewussten und trendigen Ernährung des Konsumenten bei.

Beispiel einer gelungenen Investition in der Verarbeitung und Vermarktung ELER 2007-13

Gegenstand der Investition ist der Ankauf einer Wasch- und Verpackungsanlage für die schonende und effiziente Waschung von Sellerie und Kartoffeln. Durch die Vorsetzung eines Enterders und eines Steinseperators im Rahmen dieser Verarbeitungsschritte soll zum Einen das Produkt geschont und zum Anderen die Lebensdauer der Anlage deutlich verlängert werden. Die Verarbeitungskapazität kann dadurch auf ca. 3 t pro Stunde gesteigert werden.

Mit der ebenfalls anzuschaffenden Folieranlage für Gemüse in Tassen können in Zukunft diverse Gemüsearten, hauptsächlich aber Tomaten, auf Tassen effizient und produktschonend verpackt und ausgezeichnet werden.

Projektziele

  • Rationalisierung und Erhöhung der Effizienz von Verarbeitungsverfahren oder Vermarktungswesen, Verbesserung der Logistik
  • Entwicklung und Verbesserung der Absatzmöglichkeiten für landwirtschaftliche Erzeugnisse
  • Verbesserung oder Sicherung der Qualität
  • Verbesserung oder Sicherung der Hygienebedingungen

Kostenaufstellung

Gesamtkosten: Euro 428.000,- exkl. MWSt.
Fördersatz: 22,5%
Förderung: Euro 96.300,-
Eigenleistung: Euro 331.700,-