Tierhaltung

Die Tierhaltung hat im Burgenland in den letzten Jahrzehnten einen starken Wandel erfahren. Viele LandwirtInnen haben die arbeits- und kostenintensive Tierhaltung aufgegeben und sich auf Ackerbau oder Dauerkulturen spezialisiert. Mit dem Rückgang der tierhaltenden Betriebe hat sich auch das Ausmaß der Wertschöpfung aus der Tierhaltung verringert.


Trotz dieses Strukturwandels beträgt im Burgenland der Wert der tierischen Erzeugung beachtliche 58,7 Mio. Euro (Stand 2014). Die Nutztierhaltung bleibt daher eine wichtige Einkommensquelle für die LandwirtInnen. Die Hauptaufgabe der Nutztierhaltung ist die Sicherstellung der Versorgung mit Lebensmitteln tierischer Herkunft. Durch die Pflege der Kulturlandschaft, besonders den Erhalt der Grünlandflächen, erbringen die Nutztierhalter zusätzliche Leistungen für die Gesellschaft. 

Gemessen am Selbstversorgungsgrad des Burgenlands an Fleisch lässt sich klar erkennen, dass in vielen Bereichen ein großes Potenzial schlummert. Geflügel, Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen - in all diesen Bereichen liegt die Selbstversorgung im Burgenland unter 50%. Kein Wunder, wenn man die Entwicklung der Anzahl der gehaltenen Tiere betrachtet. So hat sich der Schweinebestand im Burgenland seit 1994 nahezu auf ein Drittel reduziert. Erst in den letzten Jahren haben sich die Schweine- und auch die Rinderbestände im Burgenland auf ein stabiles Niveau eingependelt. Neben den klassischen Produktionssparten Rind, Milch, Schwein und Geflügel bieten sich auch viele Nischenmärkte in der Tierhaltung an.

Interessant zu beobachten ist ein Gegentrend, der in den letzten Jahren eigesetzt hat. So erleben die Weidegänsehaltung und die extensive Rinderhaltung eine unglaubliche Renaissance. Eine intensive Kooperation mit Naturschutz und Tourismus führte zu einer konstruktiven Verbindung, die die regionale Wertschöpfung erhöht und Arbeitsplätze schafft.

Nutztiersparten, wie Fische, Bienen und Farmwild erbringen vielfältige Produkte und bieten Einkommensmöglichkeiten im Nebenerwerb und in der Direktvermarktung.

Das Interesse an der Nutztierhaltung nimmt in den letzten Jahren verstärkt zu, viele kleine Betriebe steigen zur Selbstversorgung wieder in die Nutztierhaltung ein. Diese  Neueinsteiger in die Nutztierhaltung brauchen auch vielfältige Beratung, da auch für sie die gesetzlichen Grundlagen für Tierhalter zu beachten sind. Heute hat die Nutztierhaltung in den Hauptsparten ein hohes Produktionsniveau erreicht, daher ist dieses qualitativ  zu sichern, die Themen Tiergesundheit und Krankheitsprävention, Biosicherheit sind heute wichtigere Themen als früher. Die Konsumenten verlangen strenge Tierschutzbestimmungen, lückenlose Nachvollziehbarkeit, Qualitätssicherung und Kennzeichnung der Lebensmittel. Um die regionale Nahrungsmittelproduktion zu sichern, ist  die Erhaltung der Nutztierhaltung im Land ein wichtiges Anliegen.

Das Burgenland deckt alle Nutztiersparten ab, in vielen Bereichen wäre noch Potential für Ausweitungen gegeben, um die regionale Versorgung und die Wertschöpfung im Land anzuheben. Die vielfältigen Produkte aus der Nutztierhaltung werden im Burgenland auf einem hohen Qualitätslevel erzeugt, die Konsumenten werden über die Bedeutung der lokalen Produktion immer mehr sensibilisiert, sodass die Wertschätzung für die heimischen Produkte zunimmt.

Renaissance der heimischen Weidegans

Beinahe jedes Haus im Südburgenland hatte früher seine Gänse. Sie zogen jeden Morgen alleine zu den Lacken am Rande des Dorfes und kehrten am Abend wieder zu ihren Häusern zurück. Weil eine ganze Familie mit einer Gans zu versorgen war, genossen die Tiere hohes Ansehen. Wobei nicht nur das zarte Gänsefleisch beliebt war, auch das Gänseschmalz, die Grammeln und die Federn waren begehrt.

An Winterabenden trafen sich verwandte und bekannte Frauen zum gemeinsamen „Federnschleißen“. Die Federnanteile wurden mit der Hand vom Kiel getrennt und während der Arbeit wurde gesungen und getratscht. Dieses Brauchtum förderte die Dorfgemeinschaft und bewahrte traditionelle Volkslieder vor dem Vergessen. Doch trotz der langen Tradition drohte die Gans aus den südburgenländischen Dörfern zu verschwinden.Bis sich eine Gruppe innovativer Bauern 2002 zusammenschloss und den Betriebszweig der Gänsehaltung wieder aufnahm.

Seitdem schnattern wieder Gänse auf den Wiesen und Weiden des Südburgenlandes – mittlerweile schon an die 3.000 Stück. Die meisten Gänse tummeln sich in Rax-Bergen, Stiwoll, Güssing, Neudauberg, Unterschützen, Altenmarkt, Jabing, Hagensdorf, Eisenberg an der Pinka, Ollersdorf, Wiesfleck und am Kalvarienberg. Von den 20 Weidegansbetrieben der Region wirtschaften vier nach biologischen Richtlinien.

2006 wurde die Bezeichnung „Weidegans“ als Wortbildmarke registriert.

Quelle: www.genussregion.at

Österreichs erster EU-zertifizierter Schlachthof

Die burgenländische Weidegans ist in den vergangenen Jahren zu einer geachteten Marke für Qualität geworden. In Eisenberg wird nun der ersten EU-zertifizierten Geflügel-Schlachthof eingerichtet.
In Eisenberg richtet der Weidegans-Betrieb Herta Schneider derzeit den ersten EU-zertifizierten Geflügel-Schlachthof Österreichs ein. Das bedeutet, dass bei der Schlachtung gewisse technische und vor allem hygienische Standards eingehalten werden müssen. In das Projekt werden rund 440.000 Euro investiert.

Nachfrage steigt
19 Bauern sind derzeit im Verein Burgenländische Weidegans organisiert. Auf ihren Wiesen weiden heuer mehr als 4.200 Gänse. Die Nachfrage der Kunden nach dem Fleisch von artgerecht gehaltenen Weidegänsen ist groß. Derzeit gibt es bei der Zahl der Gänse Zuwachsraten von 30 Prozent pro Jahr. Bisher sind die Tiere auf bäuerlichen Kleinschlachthöfen gestochen worden.

EU-zertifizierter Schlachthof
Jetzt wird in Eisenberg im Weidegans-Betrieb Herta Schneider Österreichs einziger EU-zertifizierter Wassergeflügel-Schlachthof eingerichtet. Dabei müssen bestimmte hygienische und technische Standards eingehalten werden, erklärt Schneider: „Es wird eigentlich viel maschinell gemacht. Jeder hat seine eigene Kleidung und kein Betriebsfremder darf in die Anlage rein.“

Großes Interesse
Wenn Produzenten ihre Gänse und Enten zum Beispiel nicht direkt an den Endkunden, sondern an eine Supermarktkette verkaufen wollen, müssen die Tiere in einem EU-zertifizierten Betrieb geschlachtet werden.
Bisher mussten die Tiere in solchen Fällen zum Schlachten nach Deutschland gefahren werden. Daher haben sich schon einige Kunden beim Eu-zertifizierten Wassergeflügel-Schlachthof angemeldet. „Es gibt schon genug Interesse. Zumindest der Verein der südburgenländischen Weidegans, auch die Rewe Gruppe und Ja! Natürlich“, sagt Schneider.
Rund 440.000 Euro kostet der neue Schlachthof, er wird von der EU gefördert und soll Ende Oktober in Betrieb gehen.

Quelle: www.orf.at 2012